Schwingen satirisch erklärt — Schweizer Cartoons zum ESAF 2025 von Ian David Marsden

Zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest ESAF 2025 im Glarnerland entstand für den Nebelspalter meine gezeichnete Doppelseite „Schwingbegriffe einfach erklärt“ — eine kleine, bewusst nicht offizielle Einführung in fünf Schwünge, die in dieser Form vermutlich noch nie auf einem Schwingplatz zum Einsatz kamen. Man weiss es nicht ganz sicher. Die Archive des Eidgenössischen Schwingerverbands sind umfangreich.

Die Arbeit verbindet zwei Bereiche, die meine Laufbahn seit Jahrzehnten prägen: satirische Zeichnung und Schweizer Themen. Seit 1983 veröffentlichte ich Cartoons, Karikaturen und humoristische Illustrationen im Nebelspalter, damals begonnen im Alter von 16 Jahren als jüngster Zeichner des Magazins. Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg blieb die Schweiz — ihre Rituale, Eigenheiten, Selbstbilder und gelegentlichen Spezialdisziplinen — ein wiederkehrendes Feld meiner Arbeit als Cartoonist, Schweizer Illustrator und satirischer Autor.

Schwingen gehört selbstverständlich dazu. Kaum ein Sport ist zugleich so ernst, so traditionsbeladen, so bildstark und für Aussenstehende so herrlich voller rätselhafter Begriffe. Genau dort setzt die Doppelseite an.

Satirische Doppelseite Schwingbegriffe einfach erklärt von Ian David Marsden zum ESAF 2025, mit fünf erfundenen Schwinggriffen wie Murmeli, Bartli und Langnauer Zopf.
„Schwingbegriffe einfach erklärt“ — satirische Doppelseite zum ESAF 2025 mit fünf frei erfundenen, aber durchaus schweizerisch wirkenden Schwüngen.

Fünf Schwingbegriffe, die es so besser nicht geben sollte

Für die Doppelseite entwickelte ich fünf vermeintliche Schwingtechniken, jeweils mit eigenem Namen, eigener Zeichnung und einer erklärenden Kurzbeschreibung. Sie lehnen sich an den Ton echter Schwingbegriffe an, entfernen sich dann aber in Richtung kontrollierter Unwahrscheinlichkeit.

  • Das Murmeli — ein Griff, der den Gegner in trügerischer Harmlosigkeit wiegt, bevor er merkt, dass sein Rücken bereits Richtung Sägemehl unterwegs ist.
  • Der Bartli — vermutlich eine Technik für Männer mit ausgeprägtem Vertrauen in ihre Gesichtsbehaarung.
  • Der Langnauer Zopf — eine bemerkenswert textile Lösung für ein eigentlich körperliches Problem.
  • Der Munistich — kraftvoll, traditionsnah und mit einer gewissen landwirtschaftlichen Restspannung.
  • Der Schnupfer — ein Schwung, bei dem die Atemwege möglicherweise mehr Einfluss auf den Kampfverlauf nehmen, als von der Regelkommission vorgesehen.

Die Seite ist als satirische Hommage an das Schwingen angelegt, nicht als Parodie von aussen. Gerade weil dieser Sport so unverwechselbar schweizerisch ist — die Zwilchhosen, das Sägemehl, die Ritualsprache, die erstaunliche Ruhe vor sehr plötzlicher Bewegung — eignet er sich hervorragend für zeichnerische Übertreibung. Man muss nichts hinzufügen. Man muss nur an der richtigen Stelle leicht schräg schauen.

Schweizer Kultur als Cartoon-Material

Viele meiner Cartoons und redaktionellen Illustrationen haben sich über die Jahre mit der Schweiz beschäftigt: mit Zürich, mit Politik, mit bürgerlichen Gewissheiten, mit öffentlichen Ritualen und mit den kleinen Formen kollektiver Selbstbeschreibung, die ein Land oft genauer verraten als jede Hochglanzbroschüre. Das Schwingen gehört zu diesen Themen, weil es zugleich Sport, Brauchtum, Spektakel und Nationalerzählung ist.

Über die Jahre zeichnete ich für zahlreiche grosse Schweizer Publikationen. Im Tagblatt der Stadt Zürich erschien mein wöchentlicher Comic, daneben zeichnete ich unter anderem für den Tages-Anzeiger, Das Magazin, Tagi Magi, die Schweizer Illustrierte, Blick, SonntagsBlick, die NZZ am Sonntag, die ZüriWoche und viele weitere Redaktionen.

Als Cartoonist in der Schweiz interessiert mich weniger die folkloristische Oberfläche als der Moment, in dem etwas sehr Ernstgemeintes plötzlich auch komisch wird — ohne seinen Wert zu verlieren. Schwingen funktioniert dafür erstaunlich gut. Ein Griff kann majestätisch klingen und gleichzeitig nach einer Backware benannt sein. Das ist kein Widerspruch, sondern beinahe eine Einladung.

Diese Doppelseite zum ESAF 2025 steht damit in einer langen Reihe meiner Arbeiten als Schweizer Illustrator, Karikaturist und satirischer Zeichner. Sie zeigt einen sehr spezifischen Aspekt meiner redaktionellen Arbeit: die Fähigkeit, ein kulturell aufgeladenes Thema genau zu beobachten, ernst genug zu nehmen und dann an der richtigen Stelle die Schraube um eine Vierteldrehung weiterzuziehen.

Ein Cartoonist im Sägemehl

Meine persönliche Beziehung zum Schwingen ist nicht rein zeichnerisch. Beim Cartoonfestival Langnau 2013 wurden wir Cartoonisten in eine Schwingerschule eingeladen. Es wurden Freiwillige gesucht. Ich meldete mich, aus einer Mischung aus Neugier, internationaler Höflichkeit und unzureichender Risikoanalyse. Die Bierchen kamen übrigens erst nach dem Kampf; daran lag es also nicht.

So stand ich kurz darauf im Schwingkeller dem Kranzschwinger Schlüchter Franz gegenüber. Das Wort „gegenüber“ beschreibt die Situation allerdings nur während der ersten Sekunden zuverlässig. Danach flog ich, landete im Sägemehl und erhielt eine sehr klare, wenn auch körperlich etwas direkt vermittelte Einführung in die Materie.

Cartoonist Ian David Marsden VS. Kranzschwinger Schlüchter Franz : Cartoonfestival Langnau 2013

Cartoonist trifft Schwinger — Mit 300 km/h ins Sägemehl

Das Video dokumentiert diesen kulturhistorisch bislang unterschätzten Moment. Für die spätere Zeichnung der Schwingbegriffe war die Erfahrung durchaus hilfreich. Wer einmal selbst im Sägemehl gelegen hat, zeichnet den Munistich mit einer gewissen Demut.

ESAF 2025, Schwingen und satirische Editorial Illustration

Die Doppelseite erschien in der Ausgabe 07/08 2025 des Nebelspalter anlässlich des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests ESAF 2025. Der Beitrag lässt sich zugleich als Einzelarbeit zum Schwingfest lesen und als Beispiel für meine langjährige Arbeit im Bereich Editorial Cartoons, satirische Illustration und humorvolle Kulturzeichnung.

Der ursprüngliche Beitrag ist online unter „Schwingbegriffe einfach erklärt“ abrufbar.

Weitere Arbeiten aus meiner langjährigen Tätigkeit als Cartoonist für den Nebelspalter finden sich unter anderem in meinem Beitrag Cartoonist Schweiz — Editorial Cartoons für den Nebelspalter und über vier Jahrzehnte satirische Illustration.

Cartoons, Karikaturen und Schweizer Illustration

Ich arbeite als Cartoonist, Karikaturist, Schweizer Illustrator und satirischer Zeichner für redaktionelle, kulturelle, pädagogische und kommunikative Projekte — darunter Magazine, Verlage, Lehrmittel, Kampagnen, Einzelcartoons, Illustrationsserien und visuelle Kommentare für Print und digitale Formate.

Weitere Beispiele finden Sie in meinen Bereichen Cartoons, Comics & Visual Storytelling, Editorial & Educational Illustration sowie in den Case Studies.

Anfragen für Cartoons und satirische Illustration

Für redaktionelle Cartoons, Karikaturen, satirische Illustrationsserien oder humorvolle visuelle Beiträge zu Schweizer, kulturellen oder gesellschaftlichen Themen erreichen Sie mich unter [email protected].

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