Nebelspalter Zeichner · Cartoonist Schweiz · Editorial Illustration
Nebelspalter Cartoons: „Bin ich ein Heuchler?“ — Ian David Marsden
Als Schweizer Cartoonist und Illustrator entwickelte ich für den Nebelspalter-Artikel „Bin ich ein Heuchler? – Der grosse Ehrlichkeitstest“ von Stefan Kämpfen fünf farbige Editorial Cartoons über Doppelmoral, moralische Selbstdarstellung und die erstaunliche menschliche Fähigkeit, bei solchen Fragen zunächst an alle anderen zu denken. Die Serie zeigt, wie ich redaktionelle Texte mit eigenständigen Figuren, visuellen Pointen und satirischer Illustration begleite.

Satirische Figuren für einen Ehrlichkeitstest
Stefan Kämpfens Artikel untersucht verschiedene Formen moderner Selbstgerechtigkeit in Form eines satirischen Tests. Meine Aufgabe bestand darin, diese Gedanken nicht einfach zu illustrieren, sondern ihnen fünf eigenständige Figuren gegenüberzustellen.
So entstanden ein scheinheiliger Prediger, ein demonstrativ engagierter Weltverbesserer, eine mitfühlende Fernsehzuschauerin, ein defensiver Kleinbürger samt Gartenzwerg und ein Mann, dessen Selbsteinschätzung bereits so positiv ausfällt, dass weitere Charakterarbeit vermutlich überflüssig erscheint.
Jede Figur ist eine kleine Bühne für eine andere Form von Selbsttäuschung.
Editorial Illustration sollte einen Text nicht einfach wiederholen
Bei redaktioneller Illustration interessiert mich besonders der Abstand zwischen Text und Bild. Eine Zeichnung muss das Geschriebene verstehen, aber sie sollte nicht nur noch einmal zeigen, was bereits im Absatz steht.
Eine gute redaktionelle Karikatur setzt einen zusätzlichen Gedanken daneben. Sie verdichtet, übertreibt, verschiebt den Blickwinkel oder fügt eine Pointe hinzu, die im Text so nicht formuliert werden muss.
Gerade bei Satire entsteht die interessanteste Arbeit oft dort, wo Autor und Zeichner dasselbe Thema betrachten, aber nicht exakt denselben Witz machen.

Character Design für Editorial Satire
Fünf Typen, fünf Arten sich selbst recht zu geben
- Der scheinheilige Prediger — moralische Autorität mit entsprechendem Heiligenschein.
- Der engagierte Weltverbesserer — Haltung und Selbstdarstellung in bemerkenswert harmonischer Koexistenz.
- Die mitfühlende Fernsehzuschauerin — echtes Mitgefühl, allerdings bei komfortabler räumlicher Distanz.
- Der defensive Kleinbürger — Sicherheitsbedürfnis, Misstrauen und Gartenzwerg bilden eine geschlossene Weltanschauung.
- Der schamlos Ehrliche — vollkommen überzeugt davon, dass Offenheit allein bereits als Tugend genügt.
Die Figuren sind bewusst typisiert, aber nicht austauschbar. Haltung, Kleidung, Gesichtsausdruck, Requisiten und Umgebung erzählen jeweils einen Teil der Pointe.

Pointe, Requisiten und visuelle Nebeninformationen
Die Zeichnungen wurden digital ausgeführt, behalten aber die Direktheit einer klassischen Cartoonlinie. Farbe und Textur dienen dabei nicht lediglich dazu, eine Schwarz-Weiss-Zeichnung attraktiver zu machen.
Besonders wichtig sind die kleinen Gegenstände. Ein Plakat, ein Gartenzwerg, eine Fernbedienung, ein Autoschlüssel oder ein bewusst gewähltes Kleidungsstück kann die Figur in wenigen Sekunden charakterisieren.
In satirischer Illustration ist ein gut gewähltes Requisit manchmal nützlicher als ein zusätzlicher Absatz Erklärung.

Nebelspalter-Zeichner seit 1983: Erfahrung, die weiterarbeitet
Diese Serie erschien im September 2025 und gehört damit zu den späten Arbeiten meiner langjährigen Verbindung mit dem Nebelspalter.
Meine ersten Cartoons waren dort bereits 1983 erschienen, als ich 16 Jahre alt war. In den Jahrzehnten dazwischen entstanden politische Karikaturen, Titelbilder, Editorial Cartoons, Doppelseiten, Text-Bild-Arbeiten und satirische Beiträge in sehr unterschiedlichen Formen.
Mehr über meine Arbeit als Nebelspalter-Zeichner und Schweizer Cartoonist seit 1983 — darunter historische Titelbilder, politische Karikaturen und aktuelle redaktionelle Illustrationen — zeige ich auf meiner eigenen Nebelspalter-Seite. Hier geht es um diese fünf Zeichnungen und darum, wie aus einem redaktionellen Text eigenständige satirische Figuren wurden.

Warum Cartoons für redaktionelle Themen funktionieren
Ein Cartoon hat wenig Platz und wenig Zeit. Die Figur, der Konflikt und die Pointe müssen fast gleichzeitig lesbar werden.
Gerade deshalb eignet sich die Form gut für gesellschaftliche und redaktionelle Themen. Sie zwingt dazu, den Kern eines Gedankens zu finden, ohne daraus eine grafische Zusammenfassung des Artikels zu machen.
Diese Fähigkeit zur Verdichtung begleitet auch andere Bereiche meiner Arbeit — von Editorial Illustration und Comics bis zu visueller Kommunikation und gezeichneten Erklärformaten.

Cartoonist Schweiz · Illustration für DACH
Was diese Nebelspalter-Cartoons über meine Arbeit zeigen
Für Redaktionen, Verlage und Kommunikationsabteilungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich entwickle ich Illustrationen, die mehr leisten als die blosse Bebilderung eines vorhandenen Textes. Entscheidend sind die Bildidee, eine lesbare Figurenzeichnung und eine Pointe, die zum Thema und zum Publikum passt.
Bei dieser Serie waren die fünf Charaktere die eigentliche Lösung: Jede Figur vermittelt einen anderen Aspekt des Artikels, ohne dessen Aussagen einfach zu wiederholen. Derselbe Ansatz lässt sich für Editorial Cartoons, politische und gesellschaftliche Karikatur, Magazinillustration, Character Design und visuelle Kommunikation einsetzen.
Mein Hintergrund in der Schweizer Presse ist dabei keine abgeschlossene Episode, sondern Teil meiner heutigen Arbeitsweise. Auch bei Comics und visuellen Geschichten, handgezeichneten Erklärvideos für den DACH-Raum und Graphic Recording und Live-Zeichnen geht es darum, Inhalte präzise zu erfassen und in eine eigenständige visuelle Sprache zu übersetzen.
Weitere Schweizer Cartoons und veröffentlichte Arbeiten
Mehr von meinen Arbeiten für den Nebelspalter: „Schwingbegriffe einfach erklärt“ — Text und Schwingen-Cartoons zum ESAF 2025, mit Verweis auf die Originalveröffentlichung beim Verlag. Die Nebelspalter-Werkschau dokumentiert darüber hinaus Cover, Karikaturen und Editorial Illustrationen aus mehr als vier Jahrzehnten.
Weitere Beispiele aus der Schweiz: politische Karikatur zu Elisabeth Baume-Schneider und Appenzell, „Stossverkehr“ — Zürcher Cartoon-Cover und Gezeichnet 2023 in Bern.
Editorial Illustration & Cartoon
Weitere redaktionelle und gezeichnete Arbeiten
Weitere Arbeiten finden sich unter Editorial & Educational Illustration, Business Comics & Sequential Illustration sowie in den Case Studies.
Cartoons oder Editorial Illustrationen für eine Publikation?
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