Handgezeichnetes Erklärvideo zum Planungs- und Baugesetz St. Gallen
Wie erklärt man ein Planungs- und Baugesetz mit Zeichnungen? Für ein Erklärvideo-Projekt aus dem Jahr 2014 zum Planungs- und Baugesetz, zur Raumplanung und Sondernutzung im Kanton St. Gallen entwickelte ich eine Serie handgezeichneter Illustrationen, Character Designs und animierter Szenen. Das Projekt entstand für YJOO Communication Strategy Design und übersetzte komplexe Inhalte aus Planung und Baurecht in eine verständliche visuelle Sprache.
Der Auftrag entstand für YJOO Communication Strategy Design auf der Grundlage eines Kundenskripts. Meine Aufgabe bestand darin, die darin beschriebenen gesetzlichen und planerischen Zusammenhänge in eine verständliche visuelle Dramaturgie zu übersetzen: mit Storyboard-Denken, individuell gezeichneten Figuren, Gebäuden, Plänen, Symbolen, Bildmetaphern und animierten Sequenzen.
Das ist für mich ein wesentlicher Teil eines guten handgezeichneten Erklärvideos. Die Zeichnung illustriert nicht einfach einen bereits gesprochenen Text. Sie übernimmt selbst einen Teil der Erklärung. Begriffe werden räumlich, Unterschiede sichtbar, Zusammenhänge vergleichbar und abstrakte Vorgänge bekommen eine Form, die man sich merken kann.
Vom Gesetzestext zum verständlichen Bild
Planungs- und Baurecht ist ein gutes Beispiel für eine Aufgabe, bei der visuelle Kommunikation tatsächlich etwas leisten muss. Begriffe wie Regelbauvorschriften, Sondernutzung, kommunales Baureglement, Quartierplanung, Landumlegung, Gebäudehöhe oder Grenzabstand haben eine präzise fachliche Bedeutung. Für Menschen, die nicht täglich damit arbeiten, bleiben sie trotzdem zunächst abstrakt.

Die eigentliche gestalterische Arbeit beginnt deshalb nicht mit der Frage, wie etwas hübsch illustriert werden könnte. Zuerst muss verstanden werden, was in einer Szene erklärt werden soll: Welche Information ist wesentlich? Was muss miteinander verglichen werden? Was geschieht vorher und nachher? Welche räumliche Beziehung lässt sich besser zeigen als beschreiben?
Aus diesen Überlegungen entstanden Häuser und Grundstücke, Baupläne und Gesetzesbände, Werkzeugkästen, Strassen und Landschaften, Figuren und Symbole. Manche Bilder erklären unmittelbar, andere funktionieren als Metapher. Zusammen bilden sie eine visuelle Sprache, die durch das Thema führt.
Wenn Sie ein ähnliches Projekt planen und sich zunächst über Budget, Umfang und Produktionsaufwand informieren möchten, finden Sie hier eine ausführliche Übersicht: Was kostet ein handgezeichnetes Erklärvideo?
Vereinfachen, ohne den Inhalt zu banalisieren
Bei juristischen, technischen oder verwaltungsnahen Themen liegt eine besondere Schwierigkeit darin, dass Vereinfachung nicht mit Vereinfachung des Sachverhalts verwechselt werden darf. Ein Erklärvideo soll den Zugang erleichtern, aber keine fachlichen Unterschiede verwischen.
Illustration kann dabei sehr präzise arbeiten. Unwichtige Details lassen sich weglassen, während genau jene Elemente hervorgehoben werden, die für das Verständnis notwendig sind. Ein Gebäude kann gleichzeitig Haus und Diagramm sein. Ein Werkzeugkasten kann unterschiedliche planerische Instrumente zusammenfassen. Eine Figur kann eine Frage, einen Entscheidungsprozess oder einen Perspektivwechsel sichtbar machen.
Das Ziel ist nicht, einen Gesetzestext durch Cartoons zu ersetzen. Die Zeichnung schafft vielmehr eine zusätzliche Verständnisebene zwischen Fachinformation und Betrachter.

Ausgewählte Illustrations- und Animationsszenen aus dem Projekt
Das folgende kurze 4K-HD-Video zeigt eine Auswahl meiner Illustrationen und Animationsszenen aus dem Erklärvideo-Projekt zum Planungs- und Baugesetz im Kanton St. Gallen. Es handelt sich nicht um die vollständige Originalproduktion.
Für diese Präsentationsfassung wurden ausgewählte Szenen aus meiner Arbeit mit Musik unterlegt. Das ursprüngliche Erklärvideo enthielt einen gesprochenen Kommentar und vermittelte deutlich mehr Informationen zu Regelbauvorschriften, Sondernutzung, kommunalen Baureglementen, Quartierplanung, Landumlegung und weiteren Themen der Raumplanung und Baugesetzgebung.
Die vollständige Originalproduktion wurde von YJOO Communication Strategy Design auf Grundlage des Kundenskripts produziert und herausgegeben. Meine Arbeit umfasste die visuelle Umsetzung der entsprechenden Szenen, Illustrationen und Animationen. Die Rechte an der vollständigen Originalproduktion liegen nicht bei mir.
Die hier gezeigten Illustrationen und Animationsbestandteile wurden individuell für das Projekt entwickelt. Figuren, Gebäude, Werkzeuge, Karten, Diagramme, Symbole und weitere visuelle Erklärmotive entstanden als Vektorgrafiken in Adobe Illustrator und wurden anschliessend für Animation und Schnitt in Adobe Animate und Adobe Premiere weiterverarbeitet.
Die Illustrationen entstanden 2014 als individuell für das Projekt entwickelte Vektorgrafiken in Adobe Illustrator und wurden für die Animation weiterverarbeitet. Rückblickend ist das Projekt auch ein Beispiel dafür, wie ich bereits damals fachlich komplexe Inhalte mit Illustration, Figuren und visuellen Metaphern in eine zugängliche Erzählform übersetzte.
Regelbauvorschriften, Sondernutzung und Raumplanung visuell erklären
Meine Arbeit an Erklärvideos kommt nicht ausschliesslich aus der Animation. Sie hat viel mit meiner langjährigen Arbeit als Schweizer Cartoonist, Illustrator und visueller Geschichtenerzähler zu tun. Seit meinen ersten Veröffentlichungen im Nebelspalter als Jugendlicher beschäftige ich mich damit, wie sich eine Situation, ein Gedanke oder ein Zusammenhang mit möglichst klaren visuellen Mitteln erzählen lässt.
Cartooning ist in diesem Sinn eine erstaunlich gute Schule für Informationsvermittlung. Man lernt zu reduzieren, Blickrichtungen zu führen, Figuren lesbar zu inszenieren, Überflüssiges wegzulassen und den entscheidenden Moment einer Situation zu finden. Eine Zeichnung muss oft innerhalb weniger Sekunden verstanden werden.
Bei einem Erklärvideo kommt eine weitere Dimension hinzu: Zeit. Informationen müssen nicht nur innerhalb eines Bildes organisiert werden, sondern in einer sinnvollen Reihenfolge erscheinen. Was sieht der Zuschauer zuerst? Wann wird ein Begriff eingeführt? Wann verändert sich das Bild? Wann braucht es Bewegung, und wann ist ein ruhiger Moment verständlicher?
Genau an dieser Schnittstelle treffen in meiner Arbeit Illustration, Cartooning, Character Design, Storyboarding, Visual Storytelling und Motion Design aufeinander.

Individuelle Illustration statt vorgefertigter Erklärvideo-Assets
Die Illustrationen dieses Projekts wurden eigens für den Inhalt entwickelt und als Vektorgrafiken in Adobe Illustrator aufgebaut. Figuren, Gebäude, Werkzeuge, Gesetzesbücher, Karten, Symbole und Diagramme gehören damit zu derselben visuellen Welt.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Produktionen, die aus Stock-Illustrationen, Character Libraries, Icon-Sets oder vorgefertigten Erklärvideo-Templates zusammengesetzt werden. Bei einem spezifischen Thema wie dem Planungs- und Baugesetz von St. Gallen sollte sich nicht der Inhalt an vorhandene Bilder anpassen müssen. Die Bilder werden für den Inhalt entwickelt.
Dadurch können auch ungewöhnliche oder sehr fachspezifische Sachverhalte dargestellt werden, für die es schlicht kein passendes Standardmotiv gibt. Gleichzeitig bleiben Figuren, Perspektiven, Linienführung und grafische Elemente über den gesamten Film hinweg konsistent.
Von der Illustration zur Animation
Nach der visuellen Entwicklung wurden die einzelnen Elemente für die Animation vorbereitet und mit Adobe Animate in Bewegung gesetzt; Schnitt und Endmontage erfolgten in Adobe Premiere.
Animation bedeutet bei solchen Projekten nicht, dass möglichst viel im Bild passieren muss. Bewegung hat eine kommunikative Funktion. Ein Element erscheint, wenn es benötigt wird. Eine Veränderung zeigt einen Zusammenhang. Eine Figur lenkt den Blick. Eine Zeichnung baut sich in einer Reihenfolge auf, die dem Gedankengang des Textes folgt.
So entsteht aus Illustration und Bewegung eine Form des Visual Storytelling, bei der Bild, Timing und gesprochener Inhalt zusammenarbeiten, anstatt miteinander um Aufmerksamkeit zu konkurrieren.
Erklärvideo, Informationsdesign und visuelle Kommunikation
Gerade bei Fachthemen überschneiden sich Erklärvideo-Produktion und Informationsdesign. Nicht jede Information braucht eine Figur und nicht jede Aussage eine Metapher. Manchmal ist ein vereinfachtes Diagramm die beste Lösung, manchmal eine räumliche Szene, manchmal ein Symbol und manchmal eine kurze erzählerische Sequenz.
Die Aufgabe besteht darin, für jeden Abschnitt die richtige visuelle Form zu finden und daraus trotzdem einen zusammenhängenden Film zu entwickeln. Das unterscheidet eine individuell konzipierte Erklärvideo-Produktion von einer blossen Bebilderung eines Sprechertexts.

Vom einzelnen Film zum wiederverwendbaren visuellen System
Ein weiterer Vorteil individuell entwickelter Illustration ist, dass nach der Produktion nicht nur ein fertiges Video existiert. Es entsteht gleichzeitig eine Bibliothek von visuellen Assets: Figuren, Szenen, Diagramme, Symbole, Gebäude, Karten und Einzelillustrationen.
Diese Elemente können — sofern dies bei der jeweiligen Produktion vorgesehen ist — auch ausserhalb des Films eingesetzt werden: in Präsentationen, Schulungsunterlagen, PDFs, Websites, interner Kommunikation, Informationsveranstaltungen oder Social Media. Die visuelle Arbeit wird damit zu einem kleinen Kommunikationssystem und nicht zu Material, das ausschliesslich innerhalb eines einzigen Videos funktioniert.
Ein Schweizer Thema mit persönlichem Bezug zu St. Gallen
Dass dieses Projekt ausgerechnet St. Gallen betrifft, hat für mich auch eine persönliche Verbindung. Ich bin Schweizer, meine Familie hat Wurzeln in St. Gallen, und ein wichtiger Teil meiner eigenen Geschichte als Zeichner begann dort. Bei meinen Grosseltern in St. Gallen entdeckte ich als Kind alte Jahrgänge des Nebelspalter; wenige Jahre später wurden dort meine ersten Cartoons veröffentlicht.
Meine berufliche Arbeit führte mich später über Zürich, New York, Los Angeles und andere Stationen bis nach Südfrankreich. Schweizer Projekte sind trotzdem ein kontinuierlicher Teil meiner Arbeit geblieben — von Editorial Illustration und Cartooning über Markenfiguren und Business Illustration bis zu Erklärvideos für Unternehmen, Agenturen, Bildungsprojekte und Institutionen.
Gerade bei Schweizer Fachthemen ist mir eine Bildsprache wichtig, die zugänglich sein darf, ohne den Inhalt ins Kindliche zu ziehen. Humor und Charakter können helfen, aber sie müssen dem Verständnis dienen. Bei einem Planungs- und Baugesetz steht am Ende nicht der Cartoon im Vordergrund, sondern die Information, die durch ihn verständlicher geworden ist.
Handgezeichnete Erklärvideos für komplexe Fachthemen
Das St. Galler Projekt zeigt einen Bereich, für den sich individuell entwickelte Erklärvideos besonders eignen: Inhalte, die fachlich korrekt bleiben müssen, deren Zusammenhänge sich aber durch Bilder schneller erfassen lassen als durch zusätzliche Textmengen.
Dazu können technische Prozesse, Verwaltungsthemen, gesetzliche oder regulatorische Zusammenhänge, Bildung und E-Learning, interne Abläufe, Forschung, Dienstleistungen, Produkte oder erklärungsbedürftige Unternehmenskommunikation gehören.
Auf meiner deutschsprachigen Übersichtsseite finden sich weitere Informationen zu handgezeichneten Erklärvideos, Whiteboard-Animation, 2D-Animation und visueller Erklärung für die Schweiz und den DACH-Raum.
Projektinformationen
Projekt: Handgezeichnetes Erklärvideo zum Planungs- und Baugesetz St. Gallen
Jahr: 2014
Auftraggeber / Projektpartner: YJOO Communication Strategy Design
Themen: Planungs- und Baugesetz, Raumplanung, kommunales Baureglement, Regelbauvorschriften und Sondernutzungsplanung
Leistungen: visuelle Konzeption, Illustration, Vektorillustration, Character Design, visuelle Erklärmotive, Animation und Videoschnitt
Produktion: Ian David Marsden / Marsden Creative
Software: Adobe Illustrator, Adobe Animate, Adobe Premiere
Einsatzbereich: Erklärvideo, Fachinformation, Präsentation und visuelle Kommunikation
Verwandte Arbeiten und Leistungen
Das Projekt verbindet mehrere Bereiche meiner Arbeit: handgezeichnete Erklärvideos und Whiteboard-Animation, Business Illustration, Editorial & Educational Illustration, Cartooning, Comics und Visual Storytelling sowie visuelle Kommunikation und Creative Direction.
Für einen Überblick über ausgewählte Arbeiten und Auftraggeber gibt es ausserdem meine Kunden- und Referenzseite und mein deutschsprachiges Portfolio-PDF.



